Dienstag, 4. Januar 2011

Umzug!

Zack: Schon ne ganze Zeit ist alles hier zu finden:
http://www.gabriel-devine.deviantart.com

Sonntag, 20. Dezember 2009

Opportunities

„Eine Gelegenheit klopft nie zweimal an. Das ist die traurige Wahrheit. Und wenn wir Dinge auf den nächsten Tag verschieben, kann es sein, dass dieser Tag nicht stattfindet.“
-Gloria Estefan

Es war an einem schönen, wenn auch kalten, Herbsttag, dem 29. November, um genau zu sein.
Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, weiß genau, wie viele Wolken am Himmel waren.
Denn es war nicht nur mein Geburtstag, sondern auch der Tag, an dem jemand begraben wurde, der mir sehr nahe stand.

Nachdem der Pastor sein Gebet gehalten hat, wird der Sarg hinabgelassen in die ausgehobene Grube. Danach reihen sich alle Angehörigen auf, um ein bisschen Sand auf den Sarg zu schütten.
Und auch ich reihe mich ein in die Schlange.
In die Schlange, in der ich niemanden kenne; und in der auch mich niemand kennt.
Es gab nur eine Verbindung zwischen den Personen hier und mir: Sie.
Nicht umsonst stehe ich hier heulend, meine Augen komplett gerötet. Sie war mir sehr wichtig. Ist mir immer noch wichtig.
Rückblickend würde ich sagen, wichtiger als alles andere.
Und doch kann ich es ihr nicht sagen. Und werde es auch nie mehr…
Als ich endlich vor dem Grab stehe, nehme ich die Schaufel in die Hand und fasse den Entschluss: Doch! Ich werde es ihr sagen!
Ich nehme also etwas von dem Sand auf die Schaufel und beim hineinschütten flüstere ich: „Ich liebe dich…“
Ich bleibe noch ein paar Sekunden stehen.
Mit Bedauern stelle ich fest, dass sich nichts bewegt.
Was habe ich eigentlich für Vorstellungen? Als ob sie nur von diesen Worten wieder auferstehen würde.
So begreife auch ich, dass es zu spät ist und mache dem Nächsten Platz, der Abschied nehmen will.

Der erste Schultag in der neuen Schule… gibt es was Schlimmeres?
Ja, meine alte Schule.
Also kam ich in den Raum, in dem meine ganzen anderen Mitschüler waren. Leute, die sich schon seit Jahren kannten, zu denen ein Außenseiter hinzustieß – Ich fühlte mich fremd.
Als ich mich umblickte, bemerkte ich, dass mich jemand angesehen hatte, sich jedoch schnell umdrehte, als sich unsere Blicke trafen.
Es sollte sich herausstellen, dass sie Lilly hieß und anscheinend gut mit mir auskam.
Es war am zweiten Wochenende nach dem Schulanfang, an dem ich sie traf.
Da wir beide eher ziellos durch die Gegend irrten, schlug ich vor, dass wir doch auch zusammen ziellos sein könnten.
Zu meiner Überraschung willigte sie sofort ein. Und es wurde noch ein schöner Tag…


War es ein Fehler? Ich hätte es ihr sagen sollen. Hätte ich es ihr sagen sollen? Was hatte ich zu verlieren?
Es ist einfach diese Ungewissheit, wie der andere darauf reagiert.
Und das hab ich jetzt davon…

Auch wenn wir uns noch einige Male trafen, wurde ich das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte.
Sie wurde bei jedem Mal etwas schüchterner, immer, wenn ich sie ansprach, war sie etwas verlegener.
Allerdings hatte sie nie irgendwelche Andeutungen gemacht.
Und auch war ich mir nicht sicher, ob sie nicht vielleicht einen Freund hatte. Ich ging zwar nicht davon aus, denn jedes Mädchen gibt sowas sofort auf Facebook preis, jedoch wäre es eine ziemlich peinliche Situation geworden. Und ich musste ja schließlich jeden Tag weiterhin zur Schule, was hieß, ich würde sie jeden Tag sehen – das stellte ich mir sehr seltsam vor.
Dann war noch gar nicht gesagt, wie sie dazu stehen würde…


Im Nachhinein frage ich mich, ob ich mir nicht zu viele Sorgen gemacht habe.
Nun sitze ich hier wie ein Häufchen Elend und trauere meiner vergebenen Chance nach.
Was sie wohl in diesem Moment denkt?
Was soll dieser sentimentale Quatsch eigentlich? Sie denkt natürlich nichts mehr, sie ist schließlich tot! Aber was würde sie sagen, wenn sie in diesem Moment mit mir sprechen könnte?
Würde sie mir sagen, ich solle mir nicht so viele Sorgen machen? Ich sollte mein Verhalten nicht bereuen? Sie würde mich bestimmt trösten wollen. Sie würde nicht wollen, dass jemand trauert – erst recht nicht ihretwegen.

Kurz nachdem ich auf die Schule gekommen war, verstarb leider meine Großmutter.
Ich stand ihr sehr nahe, besonders, da ich als kleines Kind ziemlich viel Zeit mit ihr verbracht hatte.
Nach der Beerdigung verblieb ich noch etwas auf einer Bank, während die anderen Leute schon alle gegangen sind.
Ich saß also auf dieser Bank und war in meine Gedanken versunken, trauernd um meine verstorbene Großmutter - als sich plötzlich jemand zu mir auf die Bank setzte.
Zuerst beachtete ich die Peron nicht, sondern wimmerte weiter leise vor mich hin.
Bis ich etwas auf meinem Rücken spürte und eine mir sehr vertraute Stimme sagte:
„Mach dir keine Sorgen…“
Schließlich erkannte ich die Person neben mir, die ihren Arm um mich gelegt hatte: es war Lilly.
Sie hatte ein bezauberndes, schwarzes Kleid an, während sie mir mit einem Lächeln auf den Lippen meine Tränen aus dem Gesicht wischte.
„Was machst du denn hier?“, fragte ich sie.
„Oh, ich bin wohl etwas zu spät, oder? Ich wäre ja früher gekommen, ich hab es aber erst heute in der Schule mitbekommen – und selbst das nur zufällig. Ich hab mich ehrlich beeilt, aber ich…“
„Ich danke dir, Lilly. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen…“
Daraufhin antwortete sie mit der einfühlsamsten Stimme, die ich je gehört habe: „Und warum weinst du dann? Meinst du denn, dass ein Verstorbener will, dass man um ihn weint und an nichts anderes mehr denkt? Dass man sich von den Freuden des Lebens abwendet? Also ich weiß nicht, wie es bei anderen Leuten ist, aber ich kann sagen, dass ich auf keinen Fall wollen würde, dass man um mich weint.“
„ Ich danke dir, Lilly.“
Ich danke dir für alles. Wirklich.


Ruhe in Frieden, Lilly.
Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem du nicht zur Schule gekommen bist. Ich wusste nicht, warum, da du nie so jemand warst.
Und den Tag davor hast du dich am Telefon auch nicht krank angehört.
Doch sollte meine Unwissenheit bald dem Wissen weichen.

Als unser Tutor in der dritten Stunde zu uns kam, sah er etwas bedrückt aus, bis er mit den Worten „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll…“ begann, uns die traurige Nachricht zu übermitteln: Lilly war am Nachmittag des Vortages von einem Auto angefahren worden und verstarb an den Folgen des Unfalls.
Die meisten begriffen noch nicht, dass sie einfach nicht mehr da war.
Am Vortag haben noch alle mit ihr gelacht, und an diesem Tag mussten sie einsehen, dass es das letzte Mal gewesen war.



Auch ich musste das einsehen, jedoch realisiere ich erst heute, dass mein Verhalten falsch war; ich bereue, dass ich ihr meine Liebe nicht gestanden habe.
„Entschuldigung, bist du Jonas?“
Ich drehe mich um und sehe hinter mir die Eltern von Lilly. Ich hatte sie erst einmal auf einer Schulveranstaltung gesehen. Sie sind beide sichtlich mitgenommen von dem Tod ihrer Tochter, jedoch sieht man es der Mutter etwas mehr an.
„Ja, der bin ich. Mein Beileid“, reiße ich mich zusammen, damit ich nicht wieder in Tränen ausbreche.
Der Vater antwortet mit einem „Danke“, bevor Lillys Mutter fortfährt: „Ich möchte dir das hier geben.“
Sie reicht mir mit zitternder Hand ein kleines Büchlein woraufhin ich sie frage, was es denn sei.
„Es ist das Tagebuch von unserer Lilly.“ Mein Erstaunen lässt sich gar nicht mehr in Worte fassen: „Ich glaube nicht, dass ich das…“ versuche ich noch, zu entgegnen, jedoch unterbricht mich Lillys Mutter unter Tränen: „Doch. Mein Mann und ich haben es gelesen, um vielleicht herauszufinden, warum sie so unachtsam war… Wir wussten einfach nicht, was wir machen sollten, fühlten uns so hilflos.“ Dann kommen ihre Gefühle endgültig mit all ihrer Macht hoch. Ihr Mann nimmt sie in den Arm und hält sie fest, wobei er selbst damit kämpft, nicht zu weinen. „Ich weiß nicht, ob du es lesen willst, aber wenn es jemanden gibt, dem sie ihr Tagebuch anvertraut hätte, dann wärst du es, das weiß ich…“, sagt er, den Tränen nahe.

Schon wieder stehe ich hier, alleine nach einer Beerdigung, während all die anderen Leute gegangen sind.
Schon wieder trauere ich um den Verstorbenen und mache mir wohl zu viele Gedanken.
Nur wird diesmal niemand kommen, der mich tröstet.
Denn dieser Jemand ist nun auch verstorben.
Als ich mir ihr Tagebuch so ansehe, ringe ich mit dem Gedanken, es mir durchzulesen. Ich würde vermutlich noch nicht einmal alles lesen. Ich würde nur gerne eine Sache lesen: Was hat Lilly über mich gedacht?
Allerdings sage ich mir auch, dass es sinnlos ist. Was sollte es mir bringen?
Hätte sie mich nicht geliebt, wäre ich traurig über den Umstand, dass die Liebe nur einseitig war. Hätte sie mich doch geliebt, würde ich mir selbst niemals verzeihen können, nichts gesagt zu haben.
So komme ich zu dem Entschluss, es dabei zu belassen und es nun den anderen Angehörigen gleichzutun.

Nun, einen Monat später, stehe ich wieder vor ihrem Grab.
Vor dem Grab der Frau, die ich liebte.
Ich kam jede Woche her, um ihr neue Blumen hinzulegen. Auch wenn sie es wahrscheinlich nicht gern hätte, wenn man ihretwegen Geld verschwenden würde, dachte ich mir, ihr zumindest auf diese Weise ein wenig zu schmeicheln.
Und doch ließ mich der Gedanke nicht los: Was dachte sie über mich? Erwähnte sie mich überhaupt in dem Tagebuch?
Irgendwie habe ich plötzlich das Gefühl, dass ich es wissen müsste. Es überkommt mich so sehr, dass ich ihr Tagebuch, welches ich seit dem Tag ihrer Beerdigung immer bei mir trug, aus meiner Jackentasche hole und es ansehe.
„Okay“, fange ich unsicher an, „ich werde es hier lesen, damit du auch sehen kannst, dass ich nichts anderes lesen werde…“
Ich beginne in dem Buch zu blättern und finde den ersten Eintrag Ende August: Es war der Tag, an dem wir uns zum ersten Mal unterhielten.
Ich blättere also immer weiter und finde immer mehr Einträge, in denen ich erwähnt werde.
Dann gelange ich zum November. Ich lese mir einige Einträge genauer durch, wobei es zwar um mich geht, allerdings weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Auch wenn die Tatsache, dass ich immer öfter das Thema bin, zwar dafür spricht, erwähnt sie niemals explizit irgendwelche Gefühle mir gegenüber. Und was sollte man in ein Tagebuch schreiben, wenn nicht so etwas?
Und letztendlich, der letzte Eintrag: der 13. November.
Ich beginne, zu lesen. Lese immer weiter. Kann nicht glauben was ich lese.
Ist das wirklich war?
Meine Knie geben nach, ich sinke zu Boden, wobei mein Fall von dem Schnee gedämpft wird. Nun knie ich hier vor dem Grab und traue meinen Augen nicht. Ich kann nicht glauben, was ich gerade gelesen habe. Ich blicke mich um und sehe, dass das Tagebuch auch in den Schnee gefallen ist.
Ist das hier wirklich alles meine Schuld?

Dann bricht der Regen an, welcher den Schnee wegspült. Ich blicke auf das Tagebuch, das nun auch nass wird. Der Regen ist so stark, dass es schon gut die Hälfte der Seite verwischt hat.
Schnell nehme ich es an mich, bevor es komplett unleserlich wird. Dann schaue ich mir den Eintrag noch einmal an, um mich zu vergewissern, dass das, was ich gelesen habe, auch wirklich wahr ist:
13. November
[…] nicht mehr, was ich machen soll. Was wird er dazu sagen? Wird es womöglich unsere Freundschaft ruinieren?
[…]
[…]kann nicht mehr länger warten. Ich muss mich jetzt zu ihm auf den Weg machen. Es ist egal, was er antwortet, […] so nicht mehr weitergehen. Ich werde ihm nun sagen, was ich für ihn empfinde:
Jonas, ich liebe dich…


24. Dezember
Ich knie hier unter Tränen vor dem Grab der Person, die ich liebte. Die Person, die auch mich liebte.
Sollte dies mein Weihnachten sein?
Als ich in den Himmel blicke, vermischt sich der niederprasselnde Regen mit meinen Tränen und spült sie davon. Wenn nur die Geschehnisse auch so einfach weggespült werden könnten. Jedoch muss ich wohl damit weiterleben, das falsche getan zu haben.
Meine Kleidung ist inzwischen völlig durchnässt, wie auch der Boden langsam anfängt matschig zu werden.
Ich blicke wieder zum Grab, an welchem ich mich nun abstütze, immer noch fassungslos von meinen neuen Erkenntnissen.
Nun ist auch der letzte Schnee weggespült worden, wobei es doch hieß, es gäbe weiße Weihnachten.
„Lilly, ich werde dich immer lieben“, flüstere ich dem Grabstein zu.
Das werde ich…
Aus meinen Augenwinkeln sehe ich Jemanden, als Weihnachtsmann verkleidet, einen Unterschlupf zu finden, um nicht nass zu werden, während der Regen immer noch auf mich und Lillys Grabstein niederprasselt.
Frohe Weihnachten – dass ich nicht lache…

Samstag, 18. Juli 2009

RAPED 2 - Prolog - Teil III

In der Wohnung von Jim Gordon
Jim saß in seinem Sessel, halb im Schlaf lauschte er der Wiederholung einer Talkshow.
Dort saß ein Mann, der, wie so oft in diesen Talkshows, seine große Liebe verloren hatte und sie nun so romantisch wie möglich zurückzugewinnen wollte. Dann trat die Frau hinein, die tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit zu Gwen besaß. Oder projizierte Jim nur seine Wünsche auf eine andere Person? Unweigerlich erinnerte er sich an die Zeit mit Gwen zurück: Wie glücklich sie waren – wie glücklich er war.

Jim und Gwen waren ein Paar geworden. 5 Wochen und 4 Tage waren sie zusammen – Jim zählte jeden einzelnen Tag, den er mit ihr zusammen war.
Heute würden sie zuerst ins Kino gehen und dann vielleicht noch ein kleines Restaurant besuchen oder gleich zu Gwen gehen und sich etwas zu essen liefern lassen.
Welchen Film sie sich anschauen wollten, wusste Jim noch nicht, vermutlich würde Gwen ihn in irgendeine Schnulze mit zerren, schließlich war es ihre Idee gewesen. Jedoch war es Jim egal, er war mit seinem Mädel dort – und irgendwie genoss er es auch, dass die anderen Typen sich die beiden ansahen. Die Gesichtsausdrücke sagten immer entweder „Boah, sieht die heiß aus!“ oder „Warum kriegt der so eine ab und ich nicht?“ – oder auch beides zusammen.
Schnell noch die Jacke überstreifen, Schlüssel einstecken und los geht’s! Jim hatte ihr versprochen, er würde sie um 9 abholen, also noch 15 Minuten Zeit – ein bisschen knapp, aber machbar.
Da Jim kein Auto hatte, musste er zu Fuß zu Gwen gelangen, Glück für ihn, dass sie nicht so weit entfernt wohnte – er wollte sich ein Auto kaufen, konnte es sich aber noch nicht leisten. Immer wieder sagte Gwen ihm, dass es doch nicht so schlimm sie, sogar gut für die Umwelt. Jim erinnerte sich lächelnd daran, jedoch war er davon überzeugt, sich eines zuzulegen. Es ist einfach nicht so toll, seine Geliebte zu einem Date auszuführen und das in der versifften U-Bahn.

Na, wo bist du denn? Als Jim den Klingelknopf gefunden hatte, drückte er ihn.
Auch wenn er sich schon oft mit ihr getroffen hatte, so war er immer noch ein bisschen aufgeregt. Ein bisschen, wie ein kleines Kind, dem eine Überraschung versprochen wurde.
Plötzlich ging die große Tür auf – und da stand sie, seine Überraschung.
„Wollen wir?“

Es wurde dann doch so eine Schnulze, wovon aber selbst Gwen nur die Hälfte mitbekam.
Sie würde ihn sich wahrscheinlich irgendwann noch einmal mit ihren Freundinnen ansehen. Außerdem haben sich die beiden doch für den Lieferservice entschieden, da in dem Restaurant, in das sie gehen wollten, eine gute Freundin von Gwen saß. Jim war in der Beziehung aber eher dafür, nicht allzu viele Bekanntschaften mit Gwens Freundinnen zu machen. Er war der Meinung, je weniger sie wussten, desto weniger können sie über ihn reden. Ein großer Irrtum.
Nachdem sie gegessen hatten, legten sie sich beide in Gwens Bett: Gwen lag in Jims Arm und kuschelte sich an ihn heran: „Ich liebe dich.“ Jim blickte ihr in die Augen: „Ich weiß“, sagte er mit einem Lächeln – schließlich mochten beide die Star Wars Filme sehr gern, wie Jim herausgefunden hatte.
Schließlich beugte er sich über sie und gab ihr einen Kuss, während sie ihre rechte Hand ausstreckte und das Licht der Nachttischlampe auf romantisch dimmte.

Ja, die Zeit mit Gwen war toll, dachte sich Jim.
Nun saß er einsam in seinem Fernsehsessel und sah sich dabei eine die Wiederholung einer Talkshow an.
Ein Mann, der auf eine Bekannte von sich stand, wollte dort sein Glück versuchen.
Beide hatten nicht so wirklich Andeutungen gemacht, obwohl sich angeblich beide gut miteinander verstanden. Der Mann meinte noch: „Ich will meinen Kuss bekommen!“ und grinste dabei. Als er sie schließlich mit einem Gedicht überraschte, fragte er sie mit dem letzten Vers „Willst du mein Mädchen sein?“ Ganz gerührt umarmte sie ihn und drückte ihm mit den Worten „Ja, natürlich!“ einen Kuss auf. Grinsend blickte der Mann danach wieder die Moderatorin an und sagte stolz: „Ich hab meinen Kuss bekommen!“
Jim Gordon ging in diesem Moment nur ein Wort durch den Kopf: „Arschloch!“

Ein paar Straßen weiter, in einem kleinen Restaurant
Ein Mann und eine Frau, die leicht schwanger war, betraten das Restaurant.
Die Empfangsdame begrüßte die beiden und fragte nach einer Reservierung. Der Mann bejahte die Frage. Als die Empfangsdame schließlich seinen Namen wissen wollte, um sie zu dem Tisch zu begleiten, antwortete der Mann: „John Petrovic.“ Die Empfangsdame sah daraufhin in ihr Buch, und fand den Namen, neben dem die Nummer 13 stand. „Würden sie mich bitte begleiten?“, forderte sie das Paar auf. „Gerne!“, antwortete Petrovic. Er sah die Frau an, die mit ihm in das Restaurant gekommen ist: „Kommst du, Gwen?“
Gwen Stacy blickte ihm in die Augen: „Ja, Schatz!“ Er legte seinen Arm um sie und die beiden wurden zu ihrem Tisch begleitet.

Gwen hatte ihren Teller bereits leer gegessen, was wohl an der Schwangerschaft lag, während Petrovic noch etwas von seinem Steak auf dem Teller liegen hatte.
Sie dachte darüber nach, wie sie sich kennengelernt haben – im Krankenhaus:
Er war eine Zeit lang ihr behandelnder Arzt, da kam man sich schon von allein immer ziemlich nahe. Als sich herausstellte, dass Gwen in dieser schrecklichen Nacht schwanger geworden war, konnte sie das Kind nicht abtreiben; sie wusste noch nicht, wie sie mit dem Kind umgehen würde in Sachen leiblicher Vater, aber inzwischen hatte sie ja einen Ersatz gefunden.
Nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, wollte sie als erstes Jim Gordon anrufen – als sie jedoch ihren Namen nannte, legte Jim einfach auf; warum, wusste sie nicht.
Sie war niedergeschmettert, denn sie wusste nicht, warum ihr Freund nicht mehr mit ihr sprechen würde. Dies endete dann darin, dass Gwen sich John anvertraut hat – er war immerhin ihr engster Freund in dem Moment; er wusste, was mit ihr passiert war.
Die beiden gingen öfters miteinander essen und unternahmen immer mehr Sachen gemeinsam, wobei sie wiederum mehr Gemeinsamkeiten fanden.
Und so geschah es dann, die beiden wurden ein Paar.
Irgendwie kam es Gwen so vor, als ob sie John schon lange kennen würde.
Nur diese eine Sache hat sie noch nicht überwunden – dieser eine Traum, den sie seit jener Nacht hatte. Dieser Traum, der sie seit jener Nacht nicht ein einziges Mal durschlafen ließ.
Sie erzählte es John.
„Vielleicht solltest du wirklich einen Psychiater aufsuchen. Die können wirklich Wunder bewirken“, sagte er und gab ihr daraufhin einen Kuss auf die Stirn. „Ich könnte dir die Adresse von einem sehr guten Psychiater geben.“
Das überraschte Gwen: „Wieso wart du denn bei einem Psychiater? Zu viel Stress auf der Arbeit?“, fragte sie mit einem kleinen Lächeln, aber trotzdem ernst gemeint.
Petrovic senkte seinen Blick ab und blickte auf das Steak: „Ach, nicht so wichtig…“
Vielleicht sollte Gwen lieber nicht nachhaken, wie sie es sonst immer tat…
Die beiden gingen zu Gwen nach Hause und ließen den Abend mit einem Film ausklingen: Auch wenn das Ende von „The Green Mile“ sehr gut war, schliefen die beiden natürlich vorher ein – mit der Sicherheit, dass Gwen den Fernseher später in der Nacht ausmachen würde.

2:13 Uhr nachts
Gwen wachte mit Kopfschmerzen auf. Es war natürlich schon wieder dieser eine Traum.
Noch etwas verschlafen ging sie zur Toilette.
Nachdem sie den Spülknopf gedrückt hatte, wusch sie sich die Hände und schaute im Badezimmerschrank nach Aspirin. Diese Kopfschmerzen bringen mich noch um!
Gwen warf sich ein Aspirin ein und spülte sie mit einem Becher Leitungswasser herunter. Sie stellte die Dose wieder zurück in den Schrank und schloss die Schranktür – und da stand er!
In dem Spiegel der Schranktür sah sie die Person aus ihrem Traum. Mit ausgeschwärztem Gesicht. Der Mann rief stimmlos nach ihr: „Gwen!“
Panisch wirbelte Gwen herum, nur um zu erkennen, dass niemand außer ihr in dem Badezimmer war. Sie war ohne Zweifel psychisch labil – aber Halluzinationen? Sie war nicht mehr nur psychisch labil, sondern ein psychisches Wrack. Noch einmal drehte sie sich um, in Richtung Badezimmerschrank – sie öffnete ihn und nahm eine Packung Aspirin und andere Tabletten aus dem Schrank; dann hockte sie sich in die Ecke des Badezimmers.

Im Fernseher war noch das Titelmenü von „The Green Mile“ zu sehen.
Gwen trat ins Zimmer und ging geistesabwesend zum Fernseher um ihn auszuschalten.
Den Knopf auf dem Fernseher gedrückt, wurde das Zimmer in vollkommene Dunkelheit gehüllt – denn am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung.

Der nächste Tag
Ein Blick in den Kühlschrank verriet: Jim musste etwas einkaufen.
Mittlerweile hatte er all seine Notvorräte verbraucht, davon lebte er seit den letzten drei Wochen. In den letzten zwei Tagen hat er nur Konservensuppen gegessen.
Er steigerte sich wahrscheinlich in eine Depression. Da Jim aber auch keine Lust hatte, zu verhungern, musste er wohl oder übel in die Stadt.

Schwer bepackt, einen prallen Rucksack auf dem Rücken und eine randvoll gefüllte Tüte in den beiden Händen, ging Jim Gordon aus dem Supermarkt. Alkohol hat er sich nicht gekauft – er brauchte Platz für Nahrungsmittel und einen Kiosk gab es in der Nähe seiner Wohnung.
Heute war ein sonniger Tag: zwar etwas zu heiß für Jim, aber lieber zu heiß als zu kalt.
Jedoch kamen nicht wirklich Frühlingsgefühle in ihm auf. Zu schwer war immer noch der Verlust von Gwen. Es waren jetzt schon fast vier Monate her. Außerdem musste er bald wieder zur Arbeit: seinen Urlaub hatte er mittlerweile aufgebraucht, nur noch das kommende Wochenende hatte er frei.
Ganz schöne Scheiße!
Plötzlich hatte Jim ein Gefühl, dass er sich jetzt umdrehen müsse. Er wusste nicht warum, und auch nicht, ob es gut oder schlecht war, aber er wusste, dass er es machen sollte.
Also blieb er mitten in der Menschenmasse stehen und drehte sich um knapp 180 Grad.
Zwei Frauen, die beinahe in ihn hineingerannt wären, motzten ihn komisch an.
Haltet doch einfach eure elendigen Mäuler!
Er betrachtete die Menschenmenge, doch war er sich nicht mehr ganz so sicher, ob es wirklich wichtig war, sich umzudrehen – bis er sie sah:
Da stand sie tatsächlich! Wie wahrscheinlich war es denn bitte, sich nach einem komischen Gefühl umzudrehen und ausgerechnet sie anzutreffen?
Jim fragte sich nun, was er machen sollte. Sollte er nun einfach weiterlaufen oder sie ansprechen? Was würde sie aber sagen, nachdem er bei ihrem Anruf damals einfach aufgelegt hatte? Ihre Trennung war damals immerhin erst drei Wochen her. Oder hatte sie ihn bereits vergessen?
Egal, mehr als irgendein dummes Gequatsche wirst du schon nicht ertragen müssen.
Jim Gordon hatte also den Entschluss gefasst, zu ihr zu gehen und sie anzusprechen – er hatte bereits den ersten Schritt getätigt, als ein Mann Gwen ansprach.
Das ist doch…!

„Hey, Gwen! Na, wie geht’s dir?“ Erfreut lächelte Gwen den Mann an: „Wundervoll! Und dir?“ „Jetzt, wo ich dich wiedersehe, geht’s mir natürlich blendend“, sagte der Mann mit einem strahlenden Lächeln.
Petrovic und Gwen küssten sich innig.
Kurz blickte Petrovic auf und sah Jim Gordon.
Er kannte Jim von der Uni. Sie hatten zusammen Medizin studiert, nur war Jim nicht ganz so gut in Biochemie, und hatte um die Zeit herum auch ein paar persönliche Probleme, sodass er letzten Endes nicht promovierte; ganz im Gegensatz zu John.
Mittlerweile hatte John sogar eine Partnerpraxis eröffnet: Kröger & Petrovic. Obwohl er immer noch fand, dass es anders herum besser geklungen hätte.
Was Jim wohl so die ganze Zeit getrieben hat?
Allerdings hatte er jetzt Gwen. Also Jim, was sagst du dazu?!

Auf besagter Universität – ein paar Jahre zuvor
„Hey John! Was geht?“ John Petrovic drehte sich auf dem Campus um und sah erstaunt Jim Gordon auf ihn zu laufen. „Naja, nix besonderes. Und bei dir?“, antwortete John, als Jim ihn endlich eingeholt hatte. Völlig stolz sah Jim ihn an und sagte: „Ich hab mich gestern mit einer Wahnsinnsfrau getroffen!“
Die Überraschung in Johns Augen war unverkennbar – genau so, wie die Begeisterung in denen von Jim.
„Na dann erzähl mal“, sagte John mit einem Augenzwinkern.

Eines Abends sind die beiden dann zusammen herumgezogen. Nachdem die beiden losgegangen waren, wollte John endlich die Frau kennen lernen, von der Jim immer sprach. „Ist ja schon gut“, beruhigte ihn Jim, „Wir treffen uns nachher mit ihr.“
Die beiden zogen also durch die Stadt und gingen am späten Abend in eine Disco.
„Hey, ich muss mal dringend ‘nen Obama ins Weiße Haus setzen“, zwinkerte Jim.
John schlug vor, sich schon mal umzusehen, Jims Bekannte sollte jeden Moment kommen.
„Einen Cuba Libre, bitte!“, sagte er dem Barkeeper. Dieser tat Eiswürfel, Limettensaft, Rum und Cola zusammen und reichte John das Glas. „Danke!“
Eine Frau setzte sich zu ihm: „Ich würd‘ auch gerne einen haben.“ Ihre Stimme war ganz fein, aber doch kräftig. Ihr dunkelblondes Haar war zu einer Hochsteckfrisur gebunden, das kurze Kleid passte auch perfekt zu dem Rest.
„Hi! Mit wem bist du denn so hier?“
Sie schaute ihm tief in die Augen: „Mit niemandem, eigentlich wollte ich mich hier mit jemandem treffen, aber ich finde ihn nirgends. Vielleicht kommt er ja gleich.“ Irgendwie strahlte ihr Gesicht eine Form von Traurigkeit aus, wenn auch nicht so dominant wie ihre selbstbewusste Haltung. „Naja, jetzt hast du ja mich und meinen Kumpel. Der kommt gleich wieder“, sprach John ihr gut zu. Ja, auch wenn John absolut kein Romantiker oder sonst etwas war, das hier war ganz klar Liebe auf den ersten Blick. Zumindest, was das äußerliche angeht – und abweisend war sie ja auch nicht. Es schrie geradezu nach einem Doppel-Date; auch wenn John dieses Wort hasste.
„Und du hast einen Freund?“ „Nein“, antwortete die Frau mit ihrer lieblichen Stimme, „im Moment nicht.“ Na das trifft sich ja gut.
„Also, hast du Lust, mit uns mit zu kommen?“, fragte John aufgeregt.
Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte: „Naja, eigentlich hatte ich ja versprochen, mich hier mit jemandem zu treffen…“ Ihr Blick war etwas unsicher.
Beruhigend sagte John ihr aber, dass sein Freund auch auf jemanden warte. „Solange kannst du’s dir ja überlegen.“ „Okay“, sagte sie mit einem Lächeln.
Beide stießen an, tranken einen Schluck und setzten die Gläser wieder ab.
Dann musste John es wissen: „Sag‘ mal… wenn wir schon hier sitzen und zusammen was trinken, dann fänd‘ ich es nicht schlecht, wenn wir uns auch beim Namen nennen können. Ich bin also John, und wie heißt du?“
„Gwen!“
Dort stand Jim also, den beiden zuwinkend.
Dann eilte er zu ihnen. John war erstaunt: „Du bist also Gwen?!“ Sie schaute John überrascht an: „Ja, wieso? Und woher kennst du Jim?“ Da war Jim auch schon da: „Also, auch wenn ihr euch anscheinend schon kennengelernt habt; noch einmal offiziell: Gwen, John. John, Gwen.“
Jim schien in diesem Moment total ahnungslos. War es moralisch falsch, auf die Freundin, oder zumindest auf die fast-Freundin, des besten Freundes zu stehen?
„Das ist sie also, meine Traumfrau!“, sagte Jim, was Gwen anscheinend total verlegen machte. „Soweit ist es aber noch nicht, Jimmy!“, zwinkerte sie ihm zu.
Er lehnte sich hinüber zu John, nahm sein Glas, um etwas zu trinken und sagte ganz unauffällig, sodass Gwen es nicht hören konnte: „Und? Hab ich dir zu viel versprochen?
Das du sprachlos wirst, hätte ich aber nicht gedacht“, scherzte Jim.

Ja, so verlief das damals. Aber wer hat sie jetzt Jim? Wer?
John Petrovic genoss Gordons fassungslosen Gesichtsausdruck, als er Gwen küsste.
Gwen bemerkte den Blick von John und drehte sich um, doch Jim war schon verschwunden. „Übrigens, ich hab heute einen Termin beim Psychiater gemacht.“
„Super!“
Zufrieden lächelte John. So zufrieden wie schon lange nicht mehr.
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Nun ist also alles vorbereitet - das Finale kann erzählt werden!
Was wird also passieren?
Das Finale in:
RAPED 3 - Erkenntnis

Montag, 1. Juni 2009

RAPED 2 - Prolog - Teil II

Zur gleichen Zeit
Jim Gordon erwachte. Als er sich umblickte, bemerkte er, dass er in seinem Wohnzimmer war und der Fernseher lief, jedoch konnte er sich nicht daran erinnern, wie er hierher kam. Er wusste nur noch, dass er als letztes mit seinen Kumpels einen draufgemacht hatte.
Eigentlich war er nicht der Typ für sowas. Aber nach der Sache mit Gwen…
Nachdem Gordon beschloss, aufzuhören, daran zu denken, musste er sich mit etwas ablenken. Also stand er zu allererst einmal auf und machte das Licht im Wohnzimmer an. Nun, bei genügender Beleuchtung, bemerkte er erst richtig, dass er schon seit Tagen nicht mehr aufgeräumt hatte – es glich einer Müllhalde: Auf dem Tisch standen leere Flaschen neben den zerknüllten Chipstüten; ein paar Reste der letzten Pizza waren auch noch zu sehen. Als sein Blick Richtung Boden wanderte, erblickte er weitere Überreste der Chips – und zwar winzige Krümel, die sich so im Teppich verfingen, dass man sie ohne leistungsstarken Sauger nicht mehr weg bekommt.
Na dann mal ran. Wie spät ist es eigentlich? Ein kurzer Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk sagte ich, dass es schon 20:37 Uhr war – und das am Sonntag. Und morgen muss ich wieder früh aufstehen. Also räum ich hier schnell auf und geh dann schlafen.
Gordon ging in die Küche und öffnete die Tür zu einer kleinen Kammer.


An einem unbekanntem Ort zu einer unbestimmten Zeit
Wo bin ich?
Die Frau versuchte sich umzusehen, doch dazu war es zu dunkel. Ohne Orientierungspunkt fragte sie sich, was sie machen sollte. Plötzlich sagte eine Stimme zu ihr: „Geh nur immer geradeaus, meine Liebe.“ Aus Verunsicherung durch fehlende Orientierung folgte sie dem Vorschlag der Stimme.
Mit jedem Schritt, den sie tätigte, wurde ihre Sicht immer klarer – so klar, bis sie sich in einem Wald wiederfand. Die Stimme ertönte wieder: „Bleib nun stehen.“ Die Frau tat auch dies, ohne es wirklich zu wollen, aber sie hatte keine Kontrolle über sich. Plötzlich packte eine Hand ihren Hals und alles wurde wieder dunkel um sie herum.

Als sie erwachte, fand sie sich auf dem dreckigen Waldboden wieder. Der Unterleib schmerzte ihr und sie fror. Die Geräusche hinter ihr brachten sie dazu, sich umzudrehen. Dort stand eine Person mit männlicher Statur, die sich gerade die Hose zuknöpfte. Als die Frau versuchte, das Gesicht des Mannes zu erkennen, konnte sie es nicht. Es war als wär sein Gesicht einfach ausgeschwärzt. Als er bemerkte, dass die Frau aufgewacht ist, drehte er sich um und begann zu rennen.
Zurück blieb die einsame Frau, die mit der Situation nicht zurechtkam. Sollte es das wirklich sein? Ihr Körper war übel zugerichtet, sie bemerkte die Schmerzen jedoch nicht. Für sie war es einfach so, als hörte ihr Körper nicht auf sie.
Die Frau schloss die Augen und legte sich zur Ruhe. Doch wieder ertönte eine Stimme, die ihr sagte: „Du darfst jetzt nicht aufgeben! Du musst aufstehen und in Richtung Zivilisation gehen. Ich werde dich auf diesem Weg leiten.“ Nur war es diesmal eine andere Stimme – es war ihre eigene.

Gwen Stacy fand sich in dem Bett in ihrer Wohnung wieder. Das ganze Bett war feucht und auch ihre Sachen waren durchgeschwitzt. Wie lange ging das nun schon so? Bestimmt ein paar Monate. Und jede Nacht hatte sie denselben Albtraum. Der Albtraum, der zu ihrer Realität geworden war.

R2 Prolog - Teil II: Ende
Diesmal nicht so lang ;)
Fortsetzung folgt dann demnächst!

Samstag, 9. Mai 2009

RAPED 2 - Prolog

- Gwen1986: hey du, muss auch mal los
- JimmyPop: keine 5 min?
- Gwen1986: hm… okay :)
- JimmyPop: hättest du nich auch mal bock aufn treffen?
- Gwen1968: ich weiß nciht
- JimmyPop: komm schon
- JimmyPop: wie siehts mit samstag aus?
- Gwen1986: naja…um 9?
- JimmyPop: wo denn?
- Gwen1968: du könntest zu mir kommen und dann könnten wir iwo was essen gehen
- Gwen1968: okay?
- JimmyPop: klingt gut… dann bin ich um 9 bei dir ;)
- JimmyPop: öhm…
- Gwen1968: was denn?
- JimmyPop: joa, würd ja gerne um 9 bei dir sein… wenn ich wüsste, wo „bei dir“ ist^^
- Gwen1968: also wenns daran liegt^^ ich wohne in der […]


Samstagabend, 21:03 Uhr
Jim Gordon suchte zwischen den ganzen Klingelknöpfen nach dem einen Namen. Und er hat ihn gefunden: Stacy.
Nach kurzem Zögern entschied er sich schließlich dazu, auf das kleine Knöpfchen zu drücken.
Ein kurzes Rauschen aus der Gegensprechanlage, dann meldete sich eine süße, weibliche Stimme: „Ja, hallo…?“ Die Stimme klang etwas hektisch.
Gordon wusste nicht so recht, was er sagen sollte, also begann er mit einem leicht verschüchterten „Hi…“ Der genervte Tonfall kam nun zu dem hektischen hinzu: „Wer ist da?“ Verlegen antwortete er: „Hier ist Jim. Jim Gordon.“ Schnell legte sich zumindest der genervte Ton in der Stimme: „Ah, Jim. Entschuldige bitte meinen Tonfall, aber ich bin ein bisschen in Eile… du bist ja schließlich schon hier.“ Ihr Lächeln war förmlich durch die Gegensprechanlage zu erkennen. Jim war in seinen Gedanken versunken. Er hatte sie zwar schon auf einigen Fotos gesehen, aber im echten Leben würde sie bestimmt wesentlich schöner aussehen. Oder, im Zeitalter der Bildbearbeitung, auch schlechter – aber an diese Möglichkeit dachte er nicht, Jim war ihrer Persönlichkeit und ihrem Charme total erlegen.
„Scheiße!“, krächzte es leise aus der Gegensprechanlage, was Jim aus seinen Gedanken riss. „Du willst bestimmt reinkommen, oder? Komm doch rein!“ Ein kleines Kichern war noch zu hören, ehe der Summer betätigt wurde.
Jim strich sich noch kurz durch sein mittellanges, schwarzes Haar und öffnete dann die Tür, um einzutreten. Jim musste kurz stehen bleiben. Vor ihm war eine relativ große Eingangshalle, verziert mit Marmor und jeweils einem etwa 4 mal 2 Meter großen Spiegel links und rechts. Vor ihm waren 5 Stufen, die in das eigentliche Treppenhaus führten. Er ging die Stufen hoch und geradewegs zu auf den Fahrstuhl, der vor ihm war.
Er ging hinein, überlegte kurz, wo das Klingelschild von Gwen platziert war und drückte dann die 3, die oberste Taste. Ein typischer Altbaufahrstuhl, der sich langsam in Bewegung setzte. Kurz überlegte Jim, ob er nicht eher die Treppe hätte nehmen sollen, aber nun war es sowieso zu spät.

Jim wollte an die Tür klopfen, als er bemerkte, dass sie offen stand. Langsam öffnete er sie und trat leise hinein: „Hallo?“
Hineintreten war übertrieben, setzte er doch gerade einmal einen Fuß in die Wohnung, damit er beim neugierigen Hineinsehen nicht aus dem Gleichgewicht geriet. Zuerst blickte er nach links, in einen langen Flur mit Teppichboden und blauen Wänden, erhellt durch das Fenster der Küche, die am Ende des Flures lag. Noch zwei weitere Türen sah er, die aber verschlossen waren. Sein Blick wanderte nach rechts, wo er ein Wohnzimmer sah, das schräg gegenüber von ihm lag und noch weiter rechts eine Art Arbeitszimmer.
Wo ist sie denn jetzt?, fragte er sich. Nun setzte Jim auch seinen zweiten Fuß in die Wohnung, drehte sich leise um und schloss die Tür. Mit einer Drehung brachte er seinen Körper in Richtung Arbeitszimmer zu dem er nun wollte. Als er in das Zimmer trat, knarrten die Dielen unerwartet laut, was ihn kurz innehalten lies. Danach setzte er seinen Gang fort in Richtung Schreibtisch. Das Geräusch kommt ganz klar aus dem Raum da!
Jim drehte sich nach rechts und schlich Richtung Tür. Vorsichtig lauschte er den Geräuschen, die jedoch zu schwach waren, um sie deutlich zu identifizieren. Von seiner Neugier gepackt, ergriff er nun langsam die Türklinke und steigerte den Druck auf sie. Ganz heruntergedrückt, schob er nun die Tür vorsichtig auf. Noch bevor er die Geräusche dem laufenden Fernseher zuordnen konnte, ertönte eine Stimme hinter ihm: „So, so… Jim Gordon schleicht sich also durch fremde Wohnungen…“
Langsam drehte er sich um und erblickte eine wunderschöne, junge Frau. Er spürte, wie sein Kopf immer röter wurde – Nein, erwischt!
Die Frau mit dem noch feuchten, dunkelblonden Haar streckte Jim ihre Hand entgegen: „Ich bin Gwen, aber da bist du bestimmt schon selbst drauf gekommen.“ Dabei lächelte sie Jim so süß an, wie es nur ging. „Schön dich mal endlich persönlich kennen zu lernen.“
Alles, was Jim daraufhin aus seinem Mund bekam, war ein verlegenes: „Ähm, ja… find ich auch…“ Mit einem verlegenen Lächeln versuchte er noch einmal seinen peinlichen Auftritt wenigstens nicht ganz so lächerlich dastehen zu lassen, jedoch verschlimmerte es die Situation nur noch. Aber Gwen hat ihn darauf hin einfach nur angelächelt – mit dem süßesten Lächeln der Welt.
„Also, du… ich trockne nur noch schnell meine Haare und dann können wir los, okay?“
Jim stimmte ihr zu. „Wenn du was trinken willst, bedien dich ruhig. Die Küche ist dort hinten“, fügte sie hinzu, während sie auf den Raum am anderen Ende des Flures deutete.
Mit diesen Worten ging sie aus dem Zimmer.
Nun verhalt dich bloß nicht falsch nachher beim Essen. Hast du überhaupt genügend Geld bei dir? Jim holte sein Portemonnaie aus seiner Tasche und schaute hinein: 215 Euro sollten reichen.
Er ging in den Flur und blieb vor der Eingangstür stehen – der Höflichkeit halber.
Ich kann es immer noch nicht glauben: Ich hatte nie besonders viel Glück in Sachen Beziehungen. Und jetzt gleich so eine! Irgendetwas muss da doch schief laufen… Ich sollte mich wohl freuen, solange es dauert.
Gwen trat in den Flur und Jim dachte nur daran, wie bezaubernd sie aussah mit ihrem dunkelblonden Haar, ihren vollen, aber trotzdem schmalen Lippen und ihrem Körper – alles in allem gab es in diesem Moment nichts Schöneres für Jim. „Hilfst du mir bitte mal, in meinen Mantel zu kommen?“ „Klar doch“, antwortete Jim, dessen Verlegenheit langsam verschwand. Er nahm den Mantel von dem Kleiderständer und hielt ihn Gwen so hin, dass sie ihre zarten Arme nur hineinstecken musste. Sie drehte sich zu Jim um und blickte ihm tief in die Augen:
„Können wir?“

Ein paar Monate später
Gwen Stacy lag in einem Krankenhausbett. Unterkühlt und in nicht allzu guter Verfassung. Sie kam gerade wieder vom MRT-Scan wieder.
Ganz allein in dem Zimmer erinnerte sie sich an ihr erstes Treffen mit Jim – es war schön.
Jim war der netteste Mensch, den man sich vorstellen konnte. Gwen wusste nicht, wieso andere Frauen kein Gefallen an ihm gefunden haben, wie er behauptete.
Sobald sie hier raus war, würde sie ihn anrufen um mit ihm etwas zu unternehmen.
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Dr. Petrovic ins Zimmer trat:
„Und, wie geht es ihnen?“ Gwen zögerte bevor sie „Naja, Kopfschmerzen!“ sagte und Dr. Petrovic anlächelte. Als sie ihn so ansah, dachte sie doch darüber nach, dass er eigentlich gut aussieht. Sollte sie etwas mit ihm essen gehen? Nein, das wäre nicht richtig Jim gegenüber.
„Nun ja, ich will nicht lange drum herum reden, also sage ich es ihnen jetzt einfach. Wir haben eine Wucherung auf der MRT in gefunden. Könnte ein Schatten oder sonst etwas sein, es könnte aber auch Gebärmutterhalskrebs sein. Wir werden deshalb einen Abstrich machen, um sicherzugehen, danach werden wir weiter sehen.“
Gebärmutterhalskrebs? Lieber wollte Gwen wissen, warum sie nachts allein im Wald war.
Der Doktor bot an, dass eine Krankenschwester die Abnahme durchführen könnte, was Gwen Stacy dankend annahm.
Die Schwester kam in den Raum und führte die Untersuchung durch, als sie plötzlich auf etwas Seltsames stieß. So seltsam, dass Petrovic doch kommen musste. Mit einem beunruhigten Gesichtsausdruck eilte er aus dem Zimmer.
Gwen war sehr besorgt und wollte auch endlich wissen, was los war, da es anscheinend jedem anderen bekannt war.
Als Dr. Petrovic dann zurückkam, verkündete er die Ursache aller Besorgnis:
„Sie wurden vergewaltigt.“
In diesem Moment verlor Gwen – nicht nur äußerlich – alles, was sie zu einem Mensch machte.
Und der Täter ist immer noch unbekannt und auf freiem Fuß.

R2 Prolog - Teil I abgeschlossen
Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 10. September 2008

RAPED - Verdrängung

Ich kann nicht mehr. Meine Füße schmerzen. Wie weit war ich schon gelaufen? 8 Kilometer? 9? Vielleicht auch 10? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass ich weg musste. Wovor ich flüchte, weiß ich auch nicht mehr.
Wieso ist hier niemand? Wieso weiß ich nicht, was passiert ist? Zum ersten Mal laufe ich etwas langsamer. Ich kann nicht ganz anhalten. Ich darf es nicht. Warum auch immer. Als ich mich das erste Mal umsehe, merke ich, dass ich mich in einem Wald befinde. Und es ist dunkel. Kein Wunder dass hier niemand ist. Aber jetzt, wo ich nicht mehr so schnell laufe, kann ich leise Autogeräusche hören. Ich beschließe, in diese Richtung zu laufen. Plötzlich kommt ein Gefühl in mir auf. Eines das sagt: „Vorsicht! Hier ist es gefährlich.“
Warum ich dieses Gefühl habe, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass es stimmt.
„Hey! Halt an!“, höre ich mich schreien, als ein Auto vorbei fährt. Aber ich realisiere schnell, dass es unsinnig ist. Auf einmal nehme ich anstatt der normalen Lichter vorbeifahrender Fahrzeuge ein seltsames Blinklicht zur Kenntnis. Es ist blau.
Ich vernehme neben den Autogeräuschen eine Stimme hinter mir: „Junge Frau? Sie wissen, dass sie sich auf einer Autobahn befinden?“ Ich drehe mich zu ihm um. „So genau wollte ich es jetzt nicht wissen“, ertönt die Stimme des jungen Polizisten erneut. Ich bemerke, dass er an mir heruntersieht. Sein Blick lässt etwas Verblüfftes vermuten, also sehe auch ich an mir herunter – und stelle fest, dass ich außer meinem grünen Mantel nur meine Brüste sehe – meine Brüste?! Reflexartig ziehe ich den Mantel zu. Er brennt leicht auf der Haut. „Soll ich sie in ein Krankenhaus fahren?“, fragt er mich verlegen, dabei versucht er, mich nicht anzusehen. „Halten sie das denn für angemessen?“ Er überlegt sich seine Antwort kurz. Dann kommt er zu dem Entschluss: „Nun ja, ihre Haut sieht ziemlich gerötet aus. Wie lange sind sie schon hier draußen?“ Wahrheitsgetreu antworte ich: „Ich weiß es nicht mehr.“ Mit den Worten „Kommen sie mal her“ macht er einen Schritt auf mich zu und berührt vorsichtig eine meiner Wangen. Erschrocken sieht er mich an: „Sie sind unterkühlt – oder es fühlt sich zumindest so an.“ Ein leichtes Lächeln zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Mir ist aber im Moment nicht nach lächeln zumute, denn ich friere wirklich. So stimme ich auch ein, dass er mich in ein Krankenhaus fährt.

Dort angekommen, weist mich eine Krankenschwester an, ihr zu folgen, damit ich einen dieser Krankenhauskittel bekomme. Die Fahrt verlief ziemlich still, denn ich hatte keine besondere Lust zu reden. Außerdem glaube ich, dass der junge Polizist sehr schüchtern ist.
Ich streife mir also den Kittel über und es geht mir gleich besser, denn mein Mantel ist vollkommen feucht und kalt. Die Schwester bittet mich, dass ich mich hier erst einmal hinsetzen könne, was ich auch mache. Auf der Fahrt konnte ich zwar schon die ganze Zeit sitzen, jedoch tun meine Füße immer noch weh. Jetzt, wo ich sie mir genauer ansehe, bemerke ich, dass alles rot ist, kleine Schnittwunden sind auch dabei.
„Hallo! Sind sie…“ Ich unterbreche die männliche Stimme: „Ja, bin ich.“ Schließlich ist hier sonst niemand in diesem Raum. Der junge Arzt will sich mir vorstellen: „Okay, ich bin Doktor Petrovic und ich werde sie nun untersuchen, in Ordnung?“ Ich bejahe die Frage – was bleibt mir auch anderes übrig.
Dr. Petrovic untersucht zuerst meine Temperatur, indem er mir einmal an die Stirn fasst, und mir ein Thermometer unter die Achsel schiebt. „Ich denke, sie sind leicht unterkühlt, genaueres wird uns aber das Thermometer sagen.“ Dabei lächelt er mich nett an. Dann guckt er sich meine Füße genauer an, da sie ihm wohl aufgefallen sind. „Tun die Füße weh?“ „Ein bisschen“, antworte ich. Er holt schnell ein paar Sachen, dann säubert er die Wunden und verbindet sie. „Also. Was bringt eine Frau wie sie mitten in der Nacht in einen Wald?“, fragt er interessiert. Ich antworte ihm: „Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht.“ Ich lächele dabei, obwohl ich genau weiß, dass mir niemand mein Lächeln abkauft. „Was ist denn das letzte, an das sie sich erinnern?“ Das ist eine kniffelige Frage. Ich überlege etwas, dann fällt es mir ein. Glaube ich zumindest. „Ich weiß noch, dass ein guter Freund von mir mich gebeten hat, ihn vor dem Wald zu treffen – etwa dort, wo mich der junge Polizist gefunden hat.“ Nun habe ich anscheinend das Interesse des Arztes geweckt, er hakt nämlich nach. „Kennen sie diesen Freund gut?“ Ich denke schon, aber im Moment weiß ich es nicht so recht, denn irgendetwas in meinem Inneren sagt mir, dass ich ihn doch nicht so gut kenne. „Ja, wir kennen uns schon länger.“ „Wie haben sie sich kennen gelernt? Wenn die Frage jetzt nicht zu persönlich ist.“ Wieder ein leichtes Lächeln, was es mir schwer macht, die Frage nicht zu beantworten. „Chat“, lautet meine kurze Antwort mit einem verlegenen Lächeln. Ich weiß nämlich, dass die meisten Leute eher misstrauisch gegenüber Chatbekanntschaften sind. Aber den Arzt scheint es zu interessieren, denn er hat mit dem Verbinden meiner Füße aufgehört, hält nur noch den halb umgewickelten Verband in seiner Hand. „Haben sie irgendwelche Schmerzen in ihrem Unterleib?“ Ich denke nach, versuche irgendetwas zu spüren. Irgendetwas ist da – zumindest denke ich das: „Ja, ein bisschen.“ Der Arzt verbindet mir schnell meinen Fuß fertig, dann sagt er: „Okay, ich werde vermutlich einen Ganzkörperscan machen müssen, um zu sehen, ob keine wichtigen Organe verletzt sind oder ähnliches.“ Er steht auf, da bemerkt er, das er vergessen hat – ich auch. „Beinahe hätte ich das Thermometer vergessen.“ Er zieht es mit einem verlegenen Lächeln heraus und studiert genau die Temperatur. Dann blickt er auf: „Nichts gefährliches – zum Glück“; das mir nun bekannte Lächeln kam wieder zum Vorschein. „Eine Krankenschwester wird gleich kommen“; mit diesen Worten verlässt er den Raum. Nach kurzer Zeit kommt die Krankenschwester auch schon, die einen freundlichen Eindruck auf mich macht. „Dann mal los!“

„ Sie sind der Polizist, der die junge Frau gefunden hat?“ Der junge Polizist antwortet dem Arzt: „Ja, der bin ich wohl.“ „Gut, hat sie etwas verstört ausgesehen, als sie sie gefunden haben?“ Der Polizist überlegt kurz, dann antwortet er: „Nein, ich glaube nicht.“ „In Ordnung, sie kann sich nicht erinnern, habe ich recht?“ „Ja, ich weiß auch nicht, woran es liegt, vielleicht hatte sie einen Unfall, ist gestürzt.“ Der Arzt antwortet prompt: „Nein, sie hat keine Anzeichen eines Traumas. Ich glaube, es ist etwas Schlimmeres passiert. Dasselbe, was meiner Frau auch passiert ist – bevor sie sich umgebracht hat.“

Gott! Der MRT war vielleicht laut. Da hilft selbst Musik durch die Kopfhörer nichts. Ich hab Kopfschmerzen davon. Nach dem Scan wurde ich wieder zurück in mein Behandlungszimmer gebracht – der Herr Doktor wollte mich zumindest diese Nacht im Krankenhaus behalten. Ich bin gespannt, was der Scan so zeigt. „Und, wie geht es ihnen?“ Etwas überrascht öffne ich die Augen – und sehe den jungen Arzt wieder. „Naja“, zögere ich. „Kopfschmerzen!“ beende ich meinen Satz mit einem kleinen Lächeln. Er lächelt mir zurück. Vielleicht sollte ich mal etwas mit ihm Essen gehen, wenn ich hier raus bin, denn er sieht wirklich gut aus. Aber diese Kopfschmerzen bringen mich noch um. Sowieso scheint mit meinem Kopf nicht alles in Ordnung zu sein. Ich kann mich an alles erinnern, außer die letzten paar Stunden, nach dem ich vor dem Wald gewartet habe. Es müssen mehrere Stunden gewesen sein, denn als ich gewartet habe, war es noch hell.
„Wollen sie gar nicht wissen, was wir herausgefunden haben?“, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Der junge Arzt hat eine bedenkliche Mine aufgesetzt. Ich frage mich, ob es wegen meiner Anteilslosigkeit oder dem Befund zu tun hat. Also antworte ich: „Sie erzählen es mir doch so oder so.“ Dabei lächle ich ihn etwas zuneigungsvoll an – zumindest soll es so aussehen. „Da haben sie wohl recht“, sagt er und kratzt sich verlegen am Kopf.
„Nun ja, ich will nicht lange drum herum reden, also sage ich es ihnen jetzt einfach. Wir haben eine Wucherung auf der MRT in gefunden. Könnte ein Schatten oder sonst etwas sein, es könnte aber auch Gebärmutterhalskrebs sein.“ Hab ich richtig gehört? Krebs? Oh Gott, das alles nur, weil ich nachts durch den Wald laufe. Wäre es im Moment nicht wichtiger, zu wissen, was ich im Wald gemacht habe? „Wir werden deshalb einen Abstrich machen, um sicherzugehen, danach werden wir weiter sehen.“ Er schaut nachdenklich aus. Hat er was vergessen? Es fällt ihm wohl wieder ein. „Eine Schwester kann das machen, wenn es ihnen lieber ist.“ Dankend nehme ich das Angebot an. „Wir sehen uns dann später.“ Ein kleines Winken und weg ist er. Er schließt noch nicht einmal die Tür, denn die Krankenschwester hat wohl schon gewartet. Sie begrüßt mich mit den Worten: „Und, sind sie bereit?“
Also lasse ich die Prozedur über mich ergehen. Zuerst, so sagt man mir, wird mir ein Spekulum eingeführt. Dann wird ein Zervikalabstrich durchgeführt. Dies ist, so sagt man mir ebenfalls, der sicherste Test. Aber irgendwie schmerzt es. Schon das Spekulum hat geschmerzt. Ich frage also die Schwester: „Ist es gewöhnlich, dass diese Art Untersuchung weh tut?“ Erstaunt und etwas überrascht kommt sie hinter dem Laken, welches über meine Beine geworfen ist, hervor: „Eigentlich nicht. Ich sehe mir das mal genauer an.“
Plötzlich hält sie den Atem an. Ich höre sie ganz leise: „Oh, mein Gott…“ Dann kommt sie wieder hinter dem Laken hervor: „Einen kleinen Moment bitte.“ Ganz entgeistert verlässt sie das Zimmer. Was ist los?! Ich möchte jetzt einfach nur wissen, was eine Krankenschwester dazu bewegen kann, so fassungslos auszusehen. Besonders weil ich es ja bin, die für die Fassungslosigkeit sorgt. Dann kommt sie wieder, im Schlepptau der junge Arzt. „Sehen sie sich das mal an“, höre ich sie sagen. Der junge Arzt wirft einen genauen Blick darauf. Ganz leise, fast schon in Gedanken, sagt er: „Oh nein – ich habe es befürchtet…“ Nun will ich auch wissen, was mit meinem Körper los ist: „Was ist denn?!“ Doch der Arzt winkt nur ab und eilt aus dem Zimmer.

Der junge Arzt wendet sich an den Polizisten: „Wir haben hier das, was ich ihnen schon vorher angedeutet habe.“ In den Augen des Polizisten entwickelt sich Entsetzen.

Was ist bloß mit dem jungen Arzt los? Warum ist er so entsetzt raus gestürmt? Fragen über Fragen. Und dann auch noch meine Amnesie. Ich will endlich wissen, was hier los ist.
„Schwester!“ Tatsächlich kommt auch sofort eine Schwester. „Wissen sie, wo mein behandelnder Arzt hin ist?“ Sie guckt etwas nachdenklich: „Meinen sie Doktor…“ „Ja, den meine Ich.“

Der junge Arzt meldet sich zu Wort: „Ich halte das für keine gute Idee.“ Der Polizist erwidert: „Sie hat aber ein Recht, es zu erfahren.“ „Was meinen sie? Macht es sie glücklicher? Wird sie denken: Oh, sie sind ja ein netter Polizist, dass sie mir davon erzählt haben. Der böse Doktor wollte es mir ja verheimlichen.“ Der junge Polizist, etwas erzürnt: „So habe ich das nicht gemeint.“ „So hat es sich aber angehört.“
Eine Krankenschwester kommt dazu: „Doktor, ihre Patientin fragt nach ihnen.“

Wo bleibt er denn bloß? Ich will jetzt die Antworten auf meine Fragen. Und keine Ausreden.
Endlich öffnet sich die Tür und der Arzt tritt ein. Aber nicht nur er. Auch eine Krankenschwester – was nicht verwunderlich ist – und der junge Polizist. Was will der hier?!
„Ich will wissen, was hier los ist!“, sage ich bestimmt. Doch plötzlich werfen sich der Arzt und der Polizist grimmige Blicke zu. Es sieht so aus, als würde der Arzt langsam nachgeben, obwohl er damit nicht zufrieden scheint.
Er blickt mich bedrückt an. Etwa so, wie die Ärzte im Fernsehen, wenn sie jemandem sagen, dass sie sterben. „Das gute ist, sie haben keinen Krebs.“ Na das ist doch toll, warum dieser Ausdruck?
Das erfahre ich jetzt, denn dem jungen Polizisten geht es wohl nicht schnell genug.
„Sie wurden vergewaltigt.“
Ich finde keine Worte. Ich bin nur fassungslos. Vergewaltigt?
Dann füllt sich meine Seele mit dunklem Nichts.

Samstag, 23. Februar 2008

Gedanken eines Mannes (2)

Herr Neuer kam nach Haus. Die Arbeit hatte ihn ausgelaugt. Wenn man einen 16-Stunden-Tag hatte, konnte man sich auch mal entspannen. Also schloss er die Tür, entkleidete sich und legte sich auf die Couch. Er musste seinen Beinen auch einmal Ruhe gönnen, da er von den 11 Stunden geschätzte 7 zu Fuß unterwegs war. Er nahm die Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Um halb eins gab es natürlich nichts anderes als diese Call-In Shows, oder der „nicht-jugendfreie“ Scheiß.

Also legte er eine DVD in den Player und ging erst einmal in die Küche. Er hatte heute gerade einmal eine Schüssel Müsli und ein Quarkhörnchen gegessen.

Hmm…also erst einmal eine Scheibe Toast.

Nachdem er den Toaster angemacht hat, setzte er eine Pfanne mit Butter auf. Danach drehte er noch die Heizung auf. Der Toast sprang hinaus.

Es roch nach qualm. Ein bisschen wie Angebranntes. Als Herr Neuer erwachte, war die DVD schon wieder im Hauptmenü. Der Film war zu ende.

Außerdem stellte Herr Neuer einen anderen Geruch fest. Er war beißend und stank.

Da Herr Neuer dieser Geruch bekannt war, kümmerte er sich nicht darum.

Er entnahm die DVD und packte sie in die Hülle. Dann steckte er selbige in das DVD-Regal.

Der Geruch wurde immer schlimmer, sowohl der Geruch von Angebranntem als auch dieser beißende Geruch vermischten sich allmählich.

Herr Neuer würde ihm aber nicht mehr lange ausgesetzt sein. Das wusste er. Das war sein Plan.

Er steckte einen Briefumschlag in sein Hemd und räumte das Geschirr vom Tisch. Mit vollbeladenen Händen schritt er seines Weges in Richtung Küche – es würde sein letzter werden.

Er stellte das Geschirr in die Spüle. Hier in der Küche roch es am schlimmsten. Das Fett in der Pfanne wurde immer heißer.

Plötzlich ging das Fett in Flammen auf. Die Flammen entzündeten das Gas, das aus einem Loch in der Heizung ausgetreten ist. Die Geräte in der Küche wurden an die Wände geschleudert, es gab einen lauten Knall und einen grellen Lichtblitz. Dieser laute Knall beendete auch das Leben von Herr Neuer. Es war ein sinnloses Leben. Sinnlos, nach dieser Sache. Bei der Explosion verbrannte zuerst der Briefumschlag. Das Innere kam zum Vorschein.

[…]ich weiß, dass du enttäusch bist. Aber ich liebe dich immer noch. Und was soll ich nun machen? Als […] erfahren hat, dass es dich gibt, ist er einfach abgehauen. Und du bist auch weg. Ich weiß, ich bin selbst schuld. Aber…ich liebe dich einfach. Du bist der einzige Mann, den ich näher an mich herangelassen hab. Also psychisch, nicht physisch. Aber das hast du dir bestimmt gedacht. Nun ja; ohne dich hat mein Leben keinen Sinn mehr. Ich will dir auch weitere Diskussionen ersparen, deshalb kommt nun, was kommen muss. Ich werde diese Welt, für die ich nicht gemacht bin, verlassen. Es war eine schöne Zeit mit dir. Du warst sowieso zu gut für mich.

Ich werde dich für immer und ewig lieben,

[…]

Der Brief fing immer mehr und mehr Feuer, bis auch er zu Asche zerfiel.

Auch Herr Neuer wurde immer mehr und mehr zu Asche. Nun war auch er gegangen von dieser Welt, er, der viel zu gut für diese Welt war. Doch ihn würde niemand vermissen. Dies war auch gut, so wie es geschah. Alles ward zu Asche.

Asche zu Asche und Staub zu Staub.